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Die Würde des Menschen

6. Schaban 1442 / 19. März 2021

 

Liebe Muslime!

 

In meiner heutigen Predigt möchte ich über den Menschen und seine Würde sprechen. Wie Sie  sicherlich wissen, befinden wir uns in den Internationalen Wochen gegen Rassismus.

 

Allah der Allerhöchste hat den Menschen als ashraf al-makhluqat, als den Besten unter allen Geschöpfen erschaffen und ihm Würde verliehen. Dazu heißt es in Sura 17, Vers 70:

 

“Und wahrlich, Wir haben den Kindern Adams Würde verliehen, haben sie über Land und Meer getragen, sie mit guten Dingen versorgt und haben sie gegenüber vielen, die wir erschaffen haben, stark begünstigt.”

 

Der Mensch ist etwas Besonderes. Er besteht nicht nur aus Fleisch und Blut, sondern er besitzt auch eine Seele und viel mehr. Hz. Ali (k.w.) beschrieb diesen faszinierenden Geschöpf mit den Worten: “Meinst du etwa, dass du aus einer winzigen Masse bestehst. In dir ist der ganze Kosmos verkrümmt.”

 

Mit der Würde ist zugleich Verantwortung verbunden.  Der Mensch hat die Freiheit, zu bestimmen, was er tut und unterlässt, sollte jedoch verantwortungsvoll mit seinem freien Willen umgehen. Er sollte sich über die Rechenschaft seiner Taten bewusst sein.

 

Verehrte Muslime!

Der Mensch darf nicht auf sein Äußeres oder seine soziale Stellung reduziert werden. Äußerlichkeiten, Armut und Reichtum sind keine Attribute, die einen Menschen vor Allah dem Allerhöchsten auszeichnen. Abstammung, Hautfarbe und Sprache gehören lediglich zu den Zeichen Allahs wie es in der Sure ar-Rūm in Vers 22 ausdrücklich betont wird.

 

Ob jemand Türke, Araber, Deutscher oder anderer Herkunft ist, ob er weiss oder schwarz ist, ist unerheblich. Kein Mensch hat die Entscheidungsgewalt über seine Abstammung oder Hautfarbe. Dies ist außerhalb seines Wirkungsbereiches und daher kein Grund, um daraus Wertigkeit zu schöpfen oder deswegen getadelt zu werden. Erinnern wir uns daran, dass der hochgebenedeite Gesandte Gottes den großen Gefährten Abū Dharr el-Ghiffari rügte, als dieser den schwarzen Gebetsrufer Bilal al-Habashī abfällig mit “Du Sohn der Schwarzen Frau” kränkte.

Bilal beklagte sich beim Propheten und sagte: “O Gesandter Gottes, müssen wir immer auch im Islam wegen unserer Abstammung getadelt werden.”

 Darauf hin mahnte der hochgebenedeite Gesandte Gottes zu Abu Dharr mit den Worten: „O Abu Dharr! Du hast immer noch den Geruch der Dschahiliya, an dir. “

 

Liebe Muslime,

In seiner Abschiedspredigt hat der Gesandte Gottes (s.a.w.) die Gleichheit der Menschen mit folgenden Worten beschrieben:

“Oh ihr Menschen! Euer Herr, ist  ein Einziger und euer Vater ist eins. Ihr alle gehört zu Adam und Adam ist aus Erde (erschaffen). Der Angesehenste unter euch bei Allah ist derjenige, der am ehrfürchtigsten ist. Ein Araber hat kein Vorzug gegenüber einem Fremden. Noch ist ein Rothäutiger besser als ein Schwarzer oder ein Schwarzer besser als ein Rothäutiger, außer durch Taqwā (Gottesehrfurcht).”

 

Achten wir darauf, dass uns die schlechten Gepflogenheiten der Dschahiliya (=Unwissenheit: Vorislamische Zeit) nicht einholen, in der meistens stammesgebundene Werte und Fanatismus ausschlaggebend waren.  Wertigkeit, Vorzüglichkeit und Tugenden wurden mit anderen Maßstäben gemessen wie Rassistische Zuschreibungen, Reichtum und anderes. Leider sind auch heutzutage Gewohnheiten der Dschahiliyya, die der Würde des Menschen widersprechen wie Rassismus und Diskriminierung vielerorts allgegenwärtig. Lasst uns unter anderem an Wochen wie den aktuellen “Internationalen Wochen gegen Rassismus” ein Zeichen setzen und festhalten an den Worten und Taten unseres Propheten (s.a.w.) und immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass Rassismus, Hass und Überlegenheitwahn keinen Platz im Islam und in der Gesellschaft haben.

 

In diesem Sinne möchte ich meine Predigt mit dem wegweisenden Vers 13 der Sure al-Hudschurat beenden:

“O ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Der Angesehenste von euch bei Gott, das ist der Gottesfürchtigste von euch. Gott weiß Bescheid und hat Kenntnis von allem.”

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