Die Läuterungsgabe - zakah
04. Ramadan 1442 / 16. April 2021
Verehrte Muslime,
Heute spreche ich in meiner khutba über die Zakah (die Läuterungsgabe) und ihre Bedeutung im Islam.
Allah der Allerhöchste spricht in der Sûre al-Baqara im Vers 43: “Und verrichtet das Gebet und entrichtet die Zakah, und verneigt euch mit denen, die sich verneigen.”
Die Zakah gehört zu den fünf Säulen des Islams und ist im zweiten Jahr nach der Hidschra und kurz vor dem Monat Ramadan, zur Pflicht erklärt worden. Der hochgebenedeite Gesandter Gottes beschreibt die fünf Säulen in einer bekannten Überlieferung (hadith) folgendermaßen: “Der Islam ist auf fünf Säulen aufgebaut: Die Zeugenschaft, dass es außer Allah keine andere Gottheit gibt und dass Muhammad (s.a.w.) sein Gesandter ist, die (rechtmäßige) Verrichtung des rituellen Gebetes, die Entrichtung der Zakah (in gebührender Form), das Fasten im Monat Ramadan und, (wenn man imstande ist) die Hadsch (Pilgerfahrt nach Mekka).” (Sahih-i Buhârî, İman 1,2)
Zakah bedeutet wörtlich Reinheit, Zuwachs, Lauterkeit, Zunahme. Im islamischem Recht bedeutet es die Pflichtabgabe von einem Teil des Vermögens an bestimmte Menschen unter bestimmten Voraussetzungen. Wichtig bei dieser Erfüllung der Pflicht ist die Absicht, dem Gebot Allahs Folge zu leisten. Die zakah ist demnach ein materieller Gottesdienst und wird aufgrund ihrer Wichtigkeit, an weit mehr als 80 Stellen im edlen Koran erwähnt.
Weil das Vermögen, dessen Zakah entrichtet wurde, gereinigt wird, sich vermehrt und auch noch für Belohnung im Jenseits sorgt, heißt diese jährliche Pflichtabgabe eben “Zakah”.
Die Zakah reinigt das Vermögen von Haram und den Besitzenden von Habgier und Geiz. Dieser Zustand wird von einigen Gottesfreunden (awliya) folgendermaßen erläutert: “In den Adern der Freigebigkeit eines Menschen entstehen Verstopfungen. Um diese zu öffnen, gibt man am besten seine Zakah oder seine sadaqa al-Fitr (die pflichtmäßge Spende im Ramadan) an einen geizigen Menschen und bittet ihn, diese an vorher bestimmten Personen oder Einrichtungen zuverteilen. So gewöhnt sich dieser Mensch an die Zakah. Damit werden die Abgaben von Allah dem Erhabenen angenommen. Zudem verdient man das Wohlwollen Allahs weil man einem Menschen zur Abgabe angeleitet hat...”
Die Zakah beschützt das Vermögen. Hierzu spricht der Gesandter Gottes (s.a.w.) “Nimmt euren Besitz mit der Zakah in Schutz. Und heilt eure Kranken mit der Sadaqa (der freiwilligen Spende).“
Die Zakah reinigt nicht nur das Hab und Gut, sondern auch den Zakah-Gebenden selbst. In der Sure Tawba im Vers 103 heißt es: “Nimm von ihrem Vermögen Sadaka, auf dass du sie damit reinigst und läuterst...”
Die überwiegende Mehrheit der Fuqaha, also der islamischen Rechtsgelehrten sind sich darin einig, dass das Wort Sadaqa in diesem Vers als die Zakah zu verstehen sei. Auch benutzt man landläufig das Wort Sadaqa als Synonym für Zakah.
Liebe Muslime,
Es ist sehr wichtig sich für den richtigen Zeitpunkt und die richtigen Empfänger der Zakah zu entscheiden.
Die Zakah kann prinzipiell ganzjährlich entrichtet werden, aber in einem Hadith, in dem über die Bedeutung des Monats Ramadan berichtet wird, erwähnt der Gesandter Gottes (s.a.w.), dass darin für die nafila (freiwillige) Gottesdienste der Lohn für Pflichtgottesdienste gegeben wird und dass ein Pflicht-gottesdienst hingegen mit dem Lohn für 70 Pflichtgottesdienste entlohnt wird. Aus diesem Grund ist es verdienstvoller die Zakah im Ramadan zu entrichten.
Im edlen Koran werden acht verschiedene Zakah-Empfänger genannt. Die wohl wichtigsten Empfänger hierunter sind “jene Leute, die auf dem Wege Allahs sind”. Zu diesen gehören vor allem jene Menschen, die sich dem Studium der islamischen Lehre verschrieben haben. Dies wird von den Gelehrten besonders hervorgehoben.
Es ist ein Zeichen von Vernunft in das Meistbringende zu investieren, sowohl in materieller als auch in spiritueller Hinsicht.

