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Den Ramadan mit allen Sinnen wahrnehmen

11. Ramadan 1442 (23. April 2021)

 

 

Liebe Muslime,

in meiner Predigt heute möchte ich mit ihnen zusammen über den geehrten Ramadan reflektiren. Was erwartet der Ramadan von uns und wo stehen wir?

Im Leben gibt es immerzu Gelegenheiten, die man unbedingt wahrnehmen sollte. Dazu gehört ohne Zweifel der Monat Ramadan. Ist jeder einzelne von uns in der Lage von diesem Monat im höchsten Maße zu profitieren? Ein Monat, der uns die Möglichkeit bietet mit ganz wenig Aufwand viel zu erreichen und großes spirituelles Kapital in den Jenseits mitzunehmen. Hierzu heißt es in der Sure al-Haschr im Vers 18:

„O ihr, die den Iman verinnerlicht habt! Fürchtet Allah. Und eine jede Seele soll danach schauen, was sie für morgen vorausschickt! Und fürchtet Allah! Gewiss, ALLAH ist dessen allkundig, was ihr tut.“

Der Gesandte Gottes (s.a.w.) spricht in einem Hadith: “Schätze den Wert von fünf (Dingen), bevor fünf (Dinge eintreten): (den Wert) des Lebens vor dem Tod,  der Gesundheit vor der Krankheit, der freien Zeit vor der Beschäftigung, der Jugend vor dem Alter und des Wohlstandes vor dem Armut.”

Zweifellos ist einer der wichtigsten Mittel, um diese großen Ziele zu erreichen, die aufrichtige Hingabe im Dienste Allahs und die Anstrengungen für seine Sache während des Ramadan.

In diesen besonderen, aber auch schwierigen Tagen ist es für alle von uns unerläßlich darüber nachzudenken, wo wir stehen und was wir tun, um vom Ramadan zu profitieren. Lasst uns  gemeinsam eine Bilanz ziehen:

Der Monat Ramadan bekommt seinen Wert unter anderem vom edlen Koran, der in ihm herabgesandt wurde. Denn so spricht Allah der Allerhöchste: “Es ist der Monat Ramadan, in dem der Koran herabgesandt wurde...” (2:185).

Schaffen wir es in diesem Monat einen Khatm zu vollenden? Nehmen wir teil an der Koran-Rezitation unserer Moschee? Was tun diejenigen unter uns, die den Koran nicht rezitieren können, um es zu erlernen? Schaffen wir es in diesen schwierigen Zeiten unsere Kinder für die Online-Angebote unserer Moschee zu begeistern, damit wenigstens sie unseren ehrenvollen Koran rezitieren lernen können?

Der Gesandte Gottes (s.a.w.) kündet davon, dass man im Ramadan für eine nafia Gottesdienst den Lohn  von einem Pflicht-Gottesdienst (fardh) bekommt und für einzelne Fardh-Dienste den Lohn von 70. Wie ist es denn nun mit unserem Fasten? Fasten wir wirklich oder verbringen wir die Tage nur in Hunger und Durst? Schaffen wir es unsere täglichen fünf Gebete regelmäßig zu verrichten oder nur wenn es uns gerade mal einfällt? Wie ist unsere Beziehung mit dem Tarawih-Gebet in diesem so wichtigen Monat und vor allem in diesen so beschwerlichen Zeiten? Verrichten wir dieses wertvolle Gebet in der Moschee oder wenn die Umstände es nicht zulassen, zuhause gemeinsam mit unserer Familie?

Haben wir uns bewußt gemacht, dass wir eines Tages gefragt werden, ob und wie wir unsere Zakah entrichtet haben? Diese Pflicht wird im Koran an mehr als achtzig Stellen erwähnt. Vergessen wir nicht: Jeder einzelne Cent der Pflichtabgabe, der in unseren Geldbörsen verbleibt, ist eine schwere Last vor Allah.

Im geehrten Ramadan gibt es darüber hinaus die pro Kopf zu entrichtende sadaqa (spende) al-Fitr. Ein sehr wichtiger Gottesdienst für die Gesellschaft. Haben wir schon dafür gesorgt, dass unsere Fitr-Spende ihre Empfänger gefunden hat oder warten wir noch, wie jedes Jahr, auf die letzten Minuten des Ramadan?  

“Der Din, die (islamische) Religion bleibt mit der Nasiha, (dem guten Ratschlag) aufrecht.” In dieser Aussage gewichtet der Gesandte Gottes (s.a.w.) den Vortrag der Gelehrten sehr stark. Schaffen wir es an diesen so wertvollen Tagen an Vorträgen unserer Moschee teilzunehmen oder verschieben wir das wieder auf das nächste Mal?

Haben wir uns schon mit unseren alltäglichen Fehlern, Verfehlungen und Sünden beschäftigt und angefangen Reue zu üben? Oder sagen wir uns immer noch “Ich mach das im nächsten oder übernächsten Ramadan” und betrügen uns selbst damit?

“Wer einem Fastenden den Iftar ermöglicht, erwirbt so viel Lohn als hätte er einem Sklaven die Freiheit geschenkt.”, so spricht der Gesandte Gottes (s.a.w.), der ehrenvollste der Schöpfung. Haben wir anderen Menschen den Iftar ermöglicht? Wir haben mehr als genug, Allah sei dank, aber was ist mit all den Menschen auf dieser Welt, die noch nicht mal ein Stück Brot finden können, um ihren Hunger zu stillen oder ganz besonders mit den mittellosen Studierenden des Koran? Denken wir manchmal an die Waisen und armen Kinder auf dieser Welt?

Unsere Nafs, unsere Triebseele suggeriert uns jetzt schon, dass wir nach dem Ramazan wieder “etwas lockerer” sein können und nicht so viele Gottesdienste zu verrichten brauchen. Genau jetzt sollten wir nicht vergessen, dass die Beziehung zu Allah das ganze Jahr über gepflegt werden muß und nicht nur im Ramadan. Haben wir zum Beispiel auch schon daran gedacht wie und wann wir unsa uf die Pilgerfahrt machen können oder wie wir uns auf den kommenden Eid-ul-Adhha, also das Opferfest vorbereiten?

Beenden wir unsere khutba mit einer Aussage des Kalifen hadhrat Omar (r.a.): “Verlangt von euch selbst Rechenschaft, noch bevor ihr (eines Tages) zur Rechenschaft gezogen werdet! Wiegt eure Taten und Werke ab, noch bevor sie abgewogen werden. Eure Rechenschaft euch selbst gegenüber im hier und heute, ist um ein vielfaches leichter als die Rechenschaft, die ihr in dem Jenseits abzulegen habt.”

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